Jacques Vieville Tarot Deck - frühfranzösisches Tarot von 1650 mit abweichender Symbolik
Wer schon einmal ein historisches Tarotdeck in den Händen hatte, weiß, wie sie sich anfühlen: kantig, rau, nicht immer leicht zu mischen. Dieses Deck geht noch einen Schritt weiter. Es ist eine Reproduktion von Karten, die um 1650 in Paris vom Meister-Kartenmacher Jacques Vieville hergestellt wurden, zu einer Zeit, als sich die Tarotbildsprache noch formte.
Die Abbildungen weichen deutlich von dem ab, was später zur Norm wurde. Der Turm ist hier ein Baum. Der Gehängte steht aufrecht. Für alle, die an klassische Marseille-Decks gewöhnt sind, ist dies unbekanntes Terrain, und genau das macht es interessant.
Was du auf den Karten siehst
Die Holzschnitte wurden sorgfältig restauriert, um die ursprünglichen Farben und Linien zu bewahren. Es sind einfache Drucke, wie man sie aus dem 17. Jahrhundert erwarten darf: gelbe, rote und blaue Flächen auf Weiß, mit schwarzen Konturen. Die Ausführung ist weniger verfeinert als bei späteren Decks, aber gerade deshalb direkter.
Die Symbolik ist prä-marseillisch. Das bedeutet: Das Deck folgt einer eigenen Pariser Linie, bevor die Marseille-Tradition zum Standard in Frankreich wurde. Die Nummerierung stimmt nicht immer mit dem überein, was du kennst. Die Abbildungen auch nicht. Das macht es schwierig für Anfänger, aber wertvoll für alle, die die Entwicklung der Tarotbilder nachvollziehen möchten.
Für wen das funktioniert
Dies ist kein Deck, mit dem du beginnen solltest. Es erfordert Grundkenntnisse der Tarotstruktur und die Bereitschaft, feste Assoziationen loszulassen. Die abweichende Symbolik zwingt dich, die Karten neu anzusehen, ohne die Standardbedeutungen, die du in den meisten Begleitheften findest.
Viele Menschen nutzen das Deck neben einem klassischen Marseille, um zu sehen, wo die Traditionen voneinander abweichen. Das gibt manchmal neue Blickwinkel auf Karten, die du schon seit Jahren legst.
Lege eine Karte aus dem Vieville-Deck neben dieselbe Karte aus einem Marseille-Deck. Die Unterschiede zeigen, wie Symbole sich über dreihundert Jahre verschoben und verändert haben.
Über Jacques Vieville
Jacques Vieville war ein Meister-Kartenmacher, der zwischen 1643 und 1664 in Paris tätig war. Seine Arbeit wird von Historikern erforscht, weil sie ein entscheidendes Glied in der frühen Kartenkultur Frankreichs bildet. Viele Details über sein Leben sind nicht erhalten geblieben, aber die Karten selbst bleiben ein Zeugnis seiner Handwerkskunst.
Spezifikationen
- Kartenanzahl: 78 (Große und Kleine Arkana)
- Kartengröße: 80 x 120 mm
- Sprache: Französisch (Karten und Begleitheft)
- Verlag: Héron
- Ausführung: Reproduktion von Holzschnitten aus dem 17. Jahrhundert
- Inhalt: 78 Karten mit historischem Begleitheft
Was uns oft gefragt wird
Kann ich dieses Deck zum Kartenlegen nutzen, oder ist es nur ein Sammlerstück?
Du kannst damit legen, aber es erfordert Eingewöhnung. Die abweichende Symbolik bedeutet, dass feste Bedeutungen nicht immer passen. Erfahrene Kartenlegende nutzen es oft zur Reflexion oder parallel zu einem anderen Deck.
Worin unterscheidet sich dieses Deck vom Tarot de Marseille?
Die Nummerierung weicht teilweise ab, und mehrere Karten der Großen Arkana zeigen andere Bilder. Der Turm ist ein Baum, der Gehängte steht aufrecht. Das Deck folgt einer älteren, Pariser Linie, die unabhängig vom späteren Marseille-Standard existierte.