John Bauer Tarot - schwedische Märchenkunst auf 78 Karten
John Bauer malte keine Helden. Er malte Kinder, die allein durch den Wald gehen, Trolle, die dich schweigend beobachten, und Prinzessinnen, die in einer Welt warten, die sich nie ganz sicher anfühlt. Das ist eine ungewöhnliche Grundlage für ein Tarot-Deck, und das merkt man.
Lo Scarabeo passte seine Illustrationen aus schwedischen Märchenbüchern an die Rider-Waite-Struktur an. Die Karten sind für alle, die mit klassischem Tarot arbeiten, erkennbar, fühlen sich aber grundlegend anders an: stiller, manchmal unergründlich, mit einer Atmosphäre, die sich schwer benennen lässt.
Was du auf den Karten siehst
Die Farben sind gedeckte Erdtöne: Grün, Braun, Grau, mit gelegentlichen Tupfern von Blau oder Gold. Bauer arbeitete mit Aquarell, und diese Textur ist deutlich sichtbar. Wenig harter Kontrast, viele neblige Übergänge zwischen Figur und Hintergrund.
Die Figuren sind nicht dramatisch. Sie stehen still, sitzen, lauschen. Trolle sind nicht beängstigend, sondern seltsam vertraut. Die Natur ist allgegenwärtig: Baumwurzeln, Felsen, dichte Kiefernwälder. Unter der Oberfläche passiert mehr, als man auf den ersten Blick sieht.
Die Symbolik folgt Rider-Waite, interpretiert aber frei. Der Narr ist ein Kind im Wald. Der Mond zeigt einen Troll im Mondlicht. Stäbe sind Äste, Schwerter haben einen rohen, handwerklichen Charakter. Die Struktur ist da, aber die Bildsprache ist vollständig Bauers eigene.
Wie dieses Deck in der Praxis funktioniert
Dieses Deck nimmt dich nicht an die Hand. Es deutet an und überlässt dir das Ausfüllen der Geschichte. Das Begleitheft gibt grundlegende Informationen zu jeder Karte, bleibt aber knapp. Genug, um eine Richtung zu geben, nicht genug, um dich an feste Bedeutungen zu binden.
Das passt zur Bildsprache. Wer jede Karte Schritt für Schritt erklärt haben möchte, findet hier weniger Halt. Wer lieber auf ein Bild schaut, bis sich etwas löst, hat hier viel Raum.
Zieh eine Karte, wenn du ein Bild brauchst und keine Antwort. Lass die Abbildung ein paar Minuten auf dich wirken, bevor du das Begleitheft aufschlägst.
Über John Bauer
John Bauer wurde 1882 in Jönköping, Schweden, geboren. Er studierte an der Königlichen Kunsthochschule in Stockholm und illustrierte jahrelang 'Bland tomtar och troll', ein jährlich erscheinendes schwedisches Märchenbuch.
Sein Werk wurde in Schweden ikonisch. Außerhalb Skandinaviens blieb er weniger bekannt, doch sein Einfluss auf die visuelle Vorstellungswelt der nordischen Folklore ist beträchtlich. 1918 ertrank er zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn bei einem Schiffsunglück. Er wurde 36 Jahre alt.
Spezifikationen
- Anzahl der Karten: 78
- Kartenformat: 66 x 120 mm
- Karton: glatt mit leichtem Glanz
- Begleitheft: mehrsprachig (Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch)
- Verlag: Lo Scarabeo
- Künstler: John Bauer (1882-1918)
- Tarotstruktur: Rider-Waite
Was uns oft gefragt wird
Enthält das Begleitheft eine niederländische Übersetzung?
Nein. Das Begleitheft ist mehrsprachig, enthält aber kein Niederländisch. Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und Italienisch sind vorhanden.
Wie dunkel ist die Atmosphäre dieses Decks?
Nicht düster, aber melancholisch. Die Bilder sind still und introspektiv, ohne Dramatik oder kräftige Farben. Wer helle, aufheiternde Karten bevorzugt, ist hier wahrscheinlich nicht richtig.