Bestätigungsfehler beim Tarot: erkennst du ihn?
Du kennst das Gefühl vielleicht. Du stellst den Karten eine Frage, ziehst eine Karte, und die Antwort passt nicht. Also ziehst du noch eine. Und noch eine. Bis etwas liegt das sich anfühlt wie eine Bestätigung von dem was du schon dachtest oder hofftest. Dann legst du die Karten weg und nennst es eine Legung.
Das ist keine Legung. Das ist der Bestätigungsfehler.
Und das ist keine Schande. Fast jeder der Tarot liest tut es irgendwann. Aber es hilft ihn zu erkennen, denn solange du ihn nicht siehst, steuerst du dich still in die falsche Richtung.
Was der Bestätigungsfehler wirklich ist
Der Bestätigungsfehler ist die Neigung des menschlichen Geistes, Informationen so zu suchen, zu interpretieren und zu behalten, dass sie das bestätigen was er schon glaubt. Es ist keine Schwäche und kein Mangel an Intelligenz. Es ist ein grundlegendes Muster wie das Gehirn funktioniert, und es betrifft jeden.
Beim Tarot kann er sich auf verschiedene Arten zeigen:
Weiterziehen bis es passt
Du ziehst Karte nach Karte bis du eine findest die sagt was du hören wolltest. Die früheren Karten “zählten nicht” oder du erklärst sie als Rauschen weg. Die letzte war die echte.
Selektiv interpretieren
Du ziehst den Turm aber liest ihn als “eine notwendige Veränderung die gut ausgeht” statt als “etwas bricht ab”. Nicht weil diese Lesart unmöglich ist, sondern weil du in diesem Moment genau diese Lesart brauchtest.
Dieselbe Frage erneut stellen
Die Antwort war klar aber unerwünscht, also stellst du dieselbe Frage morgen erneut, anders formuliert, mit demselben Deck, mit einem anderen Deck. Bis die Antwort sich ändert. Aber die Frage war dieselbe.
Nur die guten Karten behalten
Letzte Woche hast du drei schwierige Karten und eine positive gezogen. Die positive steht dir noch klar vor Augen. Die anderen drei hast du vergessen.
Warum er so schwer zu erkennen ist
Der Bestätigungsfehler fühlt sich nicht wie Täuschung an. Er fühlt sich wie Verstehen an. Wenn du eine Karte so deutest dass sie zu dem passt was du schon glaubst, entsteht ein Gefühl von Wiedererkennung und Bestätigung. Das fühlt sich gut an. Es fühlt sich wie Erkenntnis an.
Dazu kommt: Tarotkarten sind breit genug um sich mit fast allem in Verbindung bringen zu lassen. Ein guter Leser kann den Turm als Befreiung lesen. Ein guter Leser kann die Sonne als Blindheit gegenüber der Realität lesen. Diese Flexibilität ist eine Stärke des Tarot, macht den Bestätigungsfehler aber auch leichter versteckbar.
Es ist nicht die Karte die dich täuscht. Das tust du selbst.
Was wirklich hilft
Schreib deine Frage auf bevor du ziehst
Wirklich, auf Papier. Das fixiert sie und verhindert dass du sie nachträglich still anpasst damit sie zur gezogenen Karte passt. Das ist eine der einfachsten und wirksamsten Sachen die du tun kannst.
Eine Ziehung pro Frage, pro Tag
Eine Karte pro Frage, pro Tag. Nicht mehr. Wenn du den Drang spürst noch eine für “mehr Kontext” zu ziehen, frage dich zuerst: akzeptiere ich die Antwort nicht, oder verstehe ich sie wirklich nicht? Das sind zwei sehr verschiedene Dinge.
Schreib deine Deutung auf bevor du daran denkst was du erhofft hast
Drehe die Karte um. Schreib zwei Sätze darüber was du siehst, bevor du daran denkst was du erhofft hast. Erst danach bring den Kontext rein. Diese Reihenfolge macht einen großen Unterschied.
Warte einen Tag bevor du dieselbe Frage erneut stellst
Wenn dir die Antwort nicht gefällt, warte mindestens 24 Stunden bevor du dieselbe Frage erneut stellst. Nicht um die Frage zu verbieten, sondern damit die Emotion sich legt. Morgen schaust du mit anderen Augen.
Und wenn du es trotzdem tust?
Dann hast du es getan. Es ist keine Katastrophe. Der Bestätigungsfehler ist menschlich und er verschwindet nicht dadurch dass man ihn kennt. Was hilft ist ihn im Moment selbst zu benennen: “Ich ziehe noch eine Karte weil mir die Antwort nicht gefallen hat.” Dieser kleine Moment der Ehrlichkeit reicht oft um aufzuhören.
Je länger du damit übst, desto besser lernst du zu erkennen wann du aus Neugier ziehst und wann aus Angst. Unser Artikel die besten Fragen ans Tarot zeigt wie du Fragen formulierst die von Anfang an ehrlichere Antworten erzeugen. Und wenn du eine Struktur suchst die dir hilft über einen längeren Zeitraum ehrlich zu bleiben, bietet die Jahres-Tarotlegung einen guten Rahmen dafür.
Tarot funktioniert am besten wenn du bereit bist zu hören was du nicht erwartet hast. Das erfordert Übung. Aber es beginnt damit ehrlich zu sein über die Momente in denen man das lieber nicht möchte.
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