Emblemata Oracle - Holzschnitte des 16. Jahrhunderts als Orakelkarten
Zwischen 1500 und 1750 waren Emblembücher das wichtigste Trägermedium kulturellen Wissens in Europa. Adelige und Kaufleute lasen sie. Gelehrte und kaum Lesende gleichermaßen, denn die Bilder sprachen jenseits der Sprachgrenzen. Nitasia Roland von Urania Press hat sechzig dieser Embleme gesammelt und daraus ein Orakel gemacht.
Die Grundlage ist das Werk von Claude Paradin, einem französischen Historiker des 16. Jahrhunderts, dessen Emblembuch Devises Heroïques 1551 erstmals in Lyon erschien, mit Holzschnitten, die Bernard Salomon zugeschrieben werden. Roland hat die archivierten Museumsdateien digital gereinigt und restauriert, um Qualität der Linienführung und Kontrast der Originale wiederherzustellen.
Was ein Emblem ist, und was du auf den Karten siehst
Ein klassisches Emblem besteht aus drei Teilen: einem Bild (pictura), einem lateinischen oder französischen Wahlspruch (inscriptio) und einem Vers oder einer Moral (subscriptio). Diese Struktur findet sich auf jeder Karte. Du siehst schwarzweiße Grafiken mit mythologischen Szenen, Tieren, Fabelwesen und alchemistischen Bildern, begleitet vom originalen Wahlspruch und einem zeitgenössischen Orakeltitel, den Roland als Verdichtung der tiefsten Botschaft des Emblems hinzugefügt hat.
Die Wahlsprüche stammen teils von Paradin selbst, teils wurden sie im Geist der Renaissance neu formuliert. Die Orakeltitel sind von Roland. Diese beiden Schichten zusammen, die historische und die zeitgenössische, geben dem Deck seinen besonderen Charakter.
Wie dieses Deck funktioniert
Roland beschreibt die Embleme als Katalysatoren: Sie sollen den Lesenden in einen kontemplativen Zustand der Assoziation versetzen, keine fertigen Antworten liefern. Wer Orakelkarten mit klaren Schlüsselbegriffen und freundlichen Bildern gewohnt ist, findet hier etwas ganz anderes. Die Bildsprache ist rätselhaft, die Symbolik historisch dicht, und der Sinn erfordert aktive Deutung.
Das ist die Absicht, kein Mangel. Das Begleitheft erklärt die Struktur der Emblemtradition und beschreibt, wie Bild, Wahlspruch und Vers gemeinsam etwas ergeben, das größer ist als jeder Teil für sich. Fragen zur Selbstreflexion gehören zur mitgelieferten Begleitung.
Zieh eine Karte und lies zuerst nur den Wahlspruch. Lass ihn einen Tag lang wirken. Der Holzschnitt wird dir beim zweiten Blick etwas anderes sagen als beim ersten.
Über Nitasia Roland und Urania Press
Nitasia Roland gründete Urania Press als unabhängigen Verlag für historische und esoterische Kartendecks. Im Jahr 2021 verbrachte sie ein Jahr damit, Hunderte von Renaissance-Emblemen zu untersuchen, um herauszufinden, welche am besten zu klassischen Arcana-Archetypen passen. Daraus entstand zunächst das Tarot Emblemata. Die Embleme, die sich nicht in eine Tarot-Struktur einfügen ließen, warteten auf ein anderes Gefäß: dieses Orakel.
Roland führte auch die digitale Restaurierung der Holzschnitte selbst durch, ausgehend von archivierten Museumsdateien, mit Optimierung von Kontrast, Linienqualität und Schärfe. Die Bilder sind fünf Jahrhunderte alt. Die Druckqualität ist es nicht.
Spezifikationen
- Kartenanzahl: 60
- Sprache: Englisch
- Verlag: Urania Press
- Autorin und Gestalterin: Nitasia Roland
- Historische Quelle: Claude Paradin, Devises Heroïques (1551), Holzschnitte zugeschrieben Bernard Salomon
- Inhalt: 60 Orakelkarten und Begleitheft
Was uns oft gefragt wird
Worin unterscheidet sich dieses Deck vom Tarot Emblemata derselben Macherin?
Das Tarot Emblemata folgt einer klassischen Tarotstruktur mit großen und kleinen Arkana. Dieses Orakel hat keine feste Hierarchie: Jedes Emblem spricht aus sich selbst heraus. Das historische Quellmaterial ist dasselbe, der Rahmen ist ein anderer.
In welcher Sprache sind die Karten und das Begleitheft?
Beides ist auf Englisch. Die originalen Wahlsprüche auf den Karten sind auf Latein oder Französisch, wie in der historischen Quelle. Die Orakeltitel und das Begleitheft sind auf Englisch.